Reduktionsziele definieren, wie ein Unternehmen seine Treibhausgasemissionen über einen bestimmten Zeitraum hinweg senken will. Häufig werden sie als einfache Zielgrößen formuliert – etwa „-42 % bis 2030“. In der Praxis erfüllen sie jedoch eine deutlich umfassendere Funktion.
Ein Reduktionsziel ist der zentrale Bezugspunkt für alle Dekarbonisierungsaktivitäten eines Unternehmens.
Es schafft:
- eine klare Richtung für Emissionsreduktionen
- einen Messmaßstab für Fortschritte
- eine Grundlage für Priorisierung und Investitionsentscheidungen
Ohne ein solches Ziel bleiben Maßnahmen oft isoliert. Einzelne Initiativen – etwa Energieeffizienz oder der Bezug erneuerbarer Energien – werden zwar umgesetzt, aber es bleibt unklar, ob sie ausreichen und wie sie zum Gesamtbild beitragen.
Ein klar definiertes Ziel verbindet diese Aktivitäten zu einem strukturierten Reduktionspfad.
Im Reduction Planner dient das Ziel daher als Ausgangspunkt für die gesamte Planung, indem es Ambition direkt mit Maßnahmen und Szenarien verknüpft.
Was ein Reduktionsziel konkret definiert
Ein Reduktionsziel basiert immer auf drei zentralen Elementen:
- einem Basisjahr (z. B. Emissionen im Jahr 2023)
- einem Reduktionsniveau (z. B. -42 %)
- einem Zieljahr (z. B. 2030)
Diese drei Komponenten beschreiben gemeinsam, wie sich die Emissionen im Zeitverlauf entwickeln sollen.
Wichtig ist dabei: Ein Ziel definiert nicht nur einen Endwert. Es impliziert immer auch einen Reduktionspfad, also eine Entwicklung über die Zeit. Dieser Pfad bestimmt, wie schnell Emissionen sinken müssen und ist entscheidend, wenn es darum geht, Ziele mit konkreten Maßnahmen zu hinterlegen.
Wie Unternehmen das richtige Ziel festlegen
Die Auswahl eines Reduktionsziels ist kein isolierter Schritt, sondern ein strukturierter Entscheidungsprozess. Dieser wird maßgeblich durch externe Rahmenwerke wie die Science Based Targets initiative (SBTi) geprägt.
In der Praxis treffen Unternehmen dabei drei zentrale Entscheidungen.
Ambitionsniveau festlegen
Zunächst muss definiert werden, wie ambitioniert das Ziel sein soll.
Viele Unternehmen orientieren sich an der SBTi, die sicherstellt, dass Ziele mit den globalen Klimazielen (insbesondere dem 1,5°C-Ziel) übereinstimmen. Die SBTi gibt dabei Mindestanforderungen vor, die nicht unterschritten werden dürfen.
Für kurzfristige Ziele (Near-term Targets) bedeutet das typischerweise:
- eine Reduktion von etwa 40–50 % innerhalb von 10 Jahren
Ein solches Ziel ist:
- extern hoch glaubwürdig und vergleichbar
- intern jedoch deutlich anspruchsvoller umzusetzen
In der Praxis unterscheiden viele Unternehmen daher zwischen:
- externen Zielen (z. B. SBTi-validiert)
- internen Planungszielen, die zur Steuerung und Szenarienbildung genutzt werden
Systemgrenzen (Scopes) definieren
Ein zweiter zentraler Punkt ist die Frage, welche Emissionen in das Ziel einbezogen werden.
Emissionen werden unterteilt in:
- Scope 1: direkte Emissionen
- Scope 2: eingekaufte Energie
- Scope 3: Emissionen entlang der Wertschöpfungskette
Die SBTi verlangt:
- vollständige Abdeckung von Scope 1 und 2
- Einbezug von Scope 3, wenn dieser mindestens 40 % der Gesamtemissionen ausmacht
Zusätzlich gilt:
- kurzfristige Scope-3-Ziele müssen mindestens 67 % der Scope-3-Emissionen abdecken
- langfristige Ziele sogar bis zu 90 %
In der Praxis stellt Scope 3 häufig den größten Anteil dar – und ist gleichzeitig am schwierigsten zu beeinflussen.
Zieltyp und Methodik wählen
Die meisten Unternehmen setzen auf absolute Reduktionsziele, also eine Verringerung der Gesamtemissionen um einen festen Prozentsatz.
Dies entspricht dem Standardansatz der SBTi:
- Absolute Contraction Approach (ACA)
→ Reduktion im Einklang mit globalen CO₂-Budgets
Alternativ gibt es:
- Sektorale Ansätze (SDA)
- Intensitätsziele (z. B. Emissionen pro Produktionseinheit)
In der Praxis gilt:
→ Absolute Ziele sind der Standard und die empfohlene Vorgehensweise, da sie einfacher zu verstehen und umzusetzen sind.
SBTi-Anforderungen im Detail
Die SBTi definiert klare Kriterien, die ein Reduktionsziel erfüllen muss, um validiert zu werden. Diese Anforderungen betreffen mehrere Dimensionen.
Basisjahr und Emissionsinventar
Unternehmen müssen ein klares und repräsentatives Basisjahr festlegen.
Voraussetzungen:
- vollständiges Emissionsinventar nach GHG Protocol
- konsistente Methodik
- transparente Dokumentation
Bei strukturellen Veränderungen (z. B. Akquisitionen) muss das Basisjahr entsprechend neu berechnet werden.
Zeitrahmen
Die SBTi unterscheidet zwischen:
Kurzfristigen Zielen (Near-term)
- 5–10 Jahre
- verpflichtend
Langfristigen Zielen (Net Zero)
- spätestens bis 2050
- Reduktion um ca. 90–95 %
Ambitionsniveau
Ziele müssen mit einem 1,5°C-Pfad kompatibel sein.
Das bedeutet:
- Mindestambition ist vorgegeben
- niedrigere Ziele werden nicht akzeptiert
Quelle: SBTi Net Zero Standard V1.3.1, p. 30.
Methodische Anforderungen
Ziele müssen auf zugelassenen Methoden basieren, z. B.:
- Absolute Contraction
- sektorale Dekarbonisierungspfade
- genehmigte Intensitätsansätze
Alle Annahmen müssen:
- nachvollziehbar
- dokumentiert
- überprüfbar sein
Sektorale Anforderungen
Nicht alle Branchen dekarbonisieren gleich schnell. Deshalb stellt die SBTi für bestimmte Sektoren spezifische Leitlinien und Zielpfade bereit.
Das betrifft insbesondere:
- Energie
- Transport
- Schwerindustrie (z. B. Stahl, Zement)
- Gebäude
Diese sektoralen Ansätze definieren:
- unterschiedliche Reduktionsgeschwindigkeiten
- spezifische Berechnungsmethoden
- branchenspezifische Benchmarks
Praktische Bedeutung
Unternehmen in diesen Sektoren müssen:
- ihre Ziele stärker an branchenspezifischen Pfaden ausrichten
- teilweise andere Methoden verwenden als Standardunternehmen
FLAG-Emissionen (Forest, Land and Agriculture)
Eine besondere Rolle spielen sogenannte FLAG-Emissionen (Forest, Land and Agriculture).
Diese betreffen insbesondere Unternehmen in Bereichen wie:
- Landwirtschaft
- Forstwirtschaft
- Lebensmittelproduktion
Besonderheiten von FLAG
FLAG-Emissionen umfassen:
- Landnutzungsänderungen (z. B. Entwaldung)
- landwirtschaftliche Emissionen
- biologische Prozesse
Diese unterscheiden sich grundlegend von energiebedingten Emissionen und werden daher separat behandelt.
SBTi-Anforderungen für FLAG
Unternehmen mit relevanten FLAG-Emissionen müssen:
- separate FLAG-Ziele definieren
- spezifische FLAG-Methoden anwenden
- Themen wie Entwaldung und Landnutzung aktiv adressieren
Praktische Konsequenz
Ein Unternehmen kann nicht alle Emissionen in einem Ziel bündeln.
Stattdessen benötigt es:
- ein Ziel für klassische Emissionen (Scope 1–3)
- ein zusätzliches FLAG-Ziel
Vom Ziel zur Umsetzung
Ein Reduktionsziel entfaltet seinen Wert erst, wenn es in konkrete Planung überführt wird.
Dazu gehört:
- Umrechnung in absolute Emissionswerte
- Ableitung eines Reduktionspfads über die Zeit
- Abgleich mit realen Maßnahmen
In der Praxis zeigt sich dabei häufig:
- Ziele sind formal korrekt definiert
- aber nicht mit umsetzbaren Maßnahmen hinterlegt
Wie der Reduction Planner diesen Prozess unterstützt
Der Reduction Planner verbindet Zieldefinition mit operativer Umsetzung.
Er ermöglicht es:
- Reduktionsziele strukturiert zu definieren
- Reduktionspfade zu visualisieren
- Maßnahmen mit Emissionsquellen zu verknüpfen
- Zielerreichung zu überprüfen
- Lücken frühzeitig zu identifizieren
Damit wird das Ziel nicht nur dokumentiert, sondern zu einem aktiven Steuerungsinstrument. Lesen Sie, wie sie Reduktionsziele im Reduktionsplaner setzen hier.
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